Selbstliebe: Spüren ist Übungssache

Alles was du heute kannst und weißt, hast du irgendwann einmal gelernt. Als du zu laufen lerntest, hast du jeden Tag geübt. Du bist vermutlich hunderte Male hingefallen und hast weitergemacht. Du hast einzelne Buchstaben gelernt, hast sie hunderte Male nachgezeichnet, bis sie schön waren. Aus den Buchstaben sind Wörter geworden. Du hast hunderte Male dieselben Wörter gelesen und wiederholt, bis du sie mit einem Blick erfasst hast und lesen konntest. Aus Wörtern wurden Sätze, aus Sätzen die ersten Kinderbücher, aus Kinderbücher wurden literarische Werke. Dasselbe hast du mit dem Rechnen gemacht oder wenn du eine neue Sportart gelernt hat. Wie oft bist du auf den Tennisplatz gegangen, um nicht zu treffen und hast trotzdem weitergemacht, weil du es lernen wolltest. Alles was dein Körper heute kann hast du ihm beigebracht. Egal was es war. Von klein auf.

Nichts davon wurde dir in die Wiege gelegt. Unerschütterlich hast du gelernt.

Sex hat niemand von uns gelernt. Jeder glaubt, das Lange gehört ins Runde und dann werden sich die Wahnsinnsgefühle von selbst einstellen. Nur komischerweise stellen sich diese nur bei wenigen ein. Warum ist das so? Warum haben Frauen Orgasmen und andere wiederum nicht? Sind die einen besser verdrahtet als die anderen? Hattest du nur schlechte Liebhaber?

Die österreichische Sexuallandschaft lässt mich erschaudern. Wie Frauen sich als Masturbationshilfe für den Mann zur Verfügung stellen, ohne etwas zu spüren. Wie Männer ihre Frauen als Masturbationshilfe benutzen, ihren Höhepunkt anpeilen und die Frau und ihre Bedürfnisse links liegen lassen (wham-bam-thank-you-mam). Wie Frauen zig Jahre Orgasmen vortäuschen (ohne je einen gehabt zu haben!?), nur um ihren Mann nicht zu enttäuschen! Dieser Mann wähnt sich in der wahnsinnigen Annahme, er sei ein toller Liebhaber(!) und fühlt sich aufgefordert, genauso weiterzumachen.

Frau, Mann spürst du dich? Spürst du den anderen? Spürst du überhaupt was? G’spirst di no?

Vermutlich nicht. Während die einen sich sexuell zurückziehen, geht es für manche weiter. BDSM und Fetisch sind im Vormarsch. Und da die Sinne ohnehin schon abgestumpft sind, stürzen sich viele in der Hoffnung auf BDSM und Fetisch, um sich vielleicht endlich mal zu spüren oder überhaupt was zu spüren. Vielleicht braucht es nur mehr Reize, mehr Schmerz, mehr Pein, mehr Demütigung, mehr Peitschenhiebe, um nur ein Quäntchen an Lust zu spüren. Und wenn das dann auch ausgereizt ist und die Reize zu extrem werden, dann kommt der Mensch vielleicht zur Besinnung. Und es wird erkannt, dass die ganzen Peitschenhiebe und das in der Gruppe vögeln so viel leichter ist, als sich selbst zu spüren.

Im Tantra finden sich diese Menschen auf der Sinnsuche wieder. Menschen, die 20 Jahre im BDSM Bereich unterwegs waren und letzten Endes zugeben müssen, dass sie sich nur selbst betrogen haben. Dass sie sich nur selbst der Möglichkeit beraubt haben, sich zu spüren. Dass sie von sich selbst davongelaufen sind. Denn sich zu spüren kann Angst machen, sich wahrzunehmen kann Angst machen, Lieben kann Angst machen. Und was noch mehr Angst macht, ist sich nicht zu spüren und nichts zu empfinden!

Was es in dieser Welt braucht, ist eine Sensibilisierung unserer Körper. Eine Verbindung mit unseren sexuellen Energie und unserer sexuellen Identität. Unsere Körper sind verpanzert (armor). Ein Spüren und Wahrnehmen unseres Körpers, unseres Intimbereichs ist somit schwer aber notwendig. Wenn wir uns selbst spüren und wahrnehmen, dann können wir auch den anderen spüren und wahrnehmen. Und das müssen wir genauso lernen wie alles andere zuvor in unserem Leben. Schau zurück auf dein Leben. Wieviel aufrichtige Selbstliebe hast du in deinem Leben betrieben, wie oft hast du deinen Körper gestreichelt und liebkost, wie oft hast du dir zwischen die Beine gegriffen und dich dort gestreichelt und liebkost. Wie oft hast du als Frau deine Vagina (also innen) erkundet und erspürt wo es sich gut anfühlt? Wie oft?

Wir befinden uns in ständiger Resonanz mit unserem Umfeld. Wir ziehen genau die Menschen an, die uns spiegeln, die unsere Werte und ergo Sexualität genauso betreiben wie wir selbst. Wenn du keine Selbstliebe betreibst, wie soll dich jemand anderes lieben und wissen was du magst und wie du es magst. Wenn du dich selbst nicht spürst und wahrnimmst, warum projizierst du dann deine Erwartungen auf den anderen. Niemand anderer ist verantwortlich für deine Lust – nur du selbst! Wie lange willst du noch in der Opferrolle verharren und darauf warten, dass der Prinz auf dem weißen Pferd dich rettet? Je mehr du in die Selbstliebe gehst, desto mehr wirst du Menschen in dein Leben ziehen, die dich auf deiner Ebene treffen.

Viele glauben, dass jemand anderer für unsere Lust verantwortlich ist. Du bist in deinem Geist darin gefangen, im Außen zu suchen, anstatt ins Innere zu schauen, zu suchen, zu entdecken und zu finden.  Und wenn du all das gefunden hast in dir, dann bist du bereit, in die Begegnung zu gehen. Als sexuell erstarkte Frau und als sexuell erstarkter Mann. Und nicht als bedürftiges Wesen! Und dann wirst du nicht mehr deine Wünsche und Sehnsüchte auf dein Gegenüber projizieren. Du bist frei! Frei von Abhängkeit, Ko-Abhängigkeit und Bedürftigkeit.

Ich habe für mich erkannt.
Meine Selbstliebe ist so gut wie der Sex mit meinem Partner. Und der Sex mit meinem Partner kann nur so gut sein wie meine Selbstliebe.

Wann wirst du erkennen, dass du zu 100 % für deine Lust und dein Spüren verantwortlich bist? Ich hoffe, jetzt gerade. Jede Ausrede und jedes weitere Aber sind nur ein Versuch deines Egos, dich am Wachsen zu behindern!

Also beginne heute deine Selbstliebe! Verliere keine Zeit mehr. Selbstliebe muss geübt und trainiert werden wie alles andere. Leg deine rosarote Brille ab und gehe in die Selbstverantwortung. Erforsche deinen Körper und erwecke ihn zum Leben. Dein Körper mag vielleicht jetzt komplett erstarrt sein und verpanzert sein, dann wirst du deinem Körper Zeit geben müssen, sich zu öffnen. Das dauert und braucht viel Zeit, Geduld und Liebe. Mit jeder Berührung hauchst du deinem Körper Leben ein. Es ist ein Prozess. Genauso wie laufen lernen.

Ich wünsche dir viele Freude, Lust und Geduld auf diesem spannenden und lustvollen Weg! Gerne begleite ich dich mit Body Awakening und Venus Awakening.

 

Da dieser Artikel wesentlich länger geworden ist als geplant und ich noch nicht alles zu dem Thema gesagt habe, werde ich einen zweiten Teil “Selbstliebe – Spüren ist Übungssache” in einem neuen Artikel veröffentlichen. Demnächst.

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